Kunst in Konstanz

Kunst in Konstanz

Oft, wenn man durch Städte läuft, fallen einem Kunstwerke im öffentlichen Raum auf - oder auch nicht. Manche sieht man sofort, andere sind versteckt und man muss sie suchen. Bei einigen entdeckt man den Sinn sofort, bei andern überlegt man sich „Was wollte uns der Künstler damit sagen?!“. So ging es mir bisher auch bei einigen Kunstwerken in Konstanz. Obwohl ich als Gästeführerin arbeite und behaupte einige davon zu kennen, bleiben gerade die kleinen Kunstwerke wie Büsten oder Stelen ein Rätsel. Meist fehlt die Zeit, um sich genauer mit diesen Stücken zu beschäftigen. Häufig ist auch unklar von wem man die Infos über die Kunst in Konstanz überhaupt erhalten kann. In Konstanz hat sich das Kulturbüro dieser Aufgabe angenommen und eine Broschüre herausgebracht, die zu den öffentlichen Kunstwerken in Konstanz Infos präsentiert, sodass man zumindest einen Einstieg in dieses Thema hat. Aus Gesprächen mit den Mitarbeitern des Kulturbüros weiß ich, dass es für sie teilweise auch knifflig war die Informationen zusammenzutragen, denn sie waren in der Stadt doch sehr verstreut gesammelt.

Kunst in Konstanz: Denkmale für einen großen Fasnachter und einen Musikdirektor

In der Innenstadt habe ich einige der Objekte völlig willkürlich ausgewählt und möchte euch ein paar Einblicke geben. An den 1905 verstorbenen Musikdirektor Konstantin Handloser erinnert ein Denkmal im Stadtgarten von Konstanz. Mithilfe von Spenden der Konstanzer Bürger wurde dem zu Lebzeiten sehr beliebten Musikdirektor 1907 ein Denkmal in seiner Heimatstadt errichtet. Unweit des Musikpavillons (in den 30er Jahren durch die heutige Konzertmuschel ersetzt) fand das Handloser-Denkmal seinen Platz, denn dort fanden die beliebten Sonntagskonzerte unter Handlosers Leitung statt. Die Stele des Karlsruher Bildhauer Dietsche beinhaltet an der Vorderseite ein Relief mit einer Inschrift, in den 1980er Jahren wurde eine weitere Inschrift ergänzt.

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Städtepartnerschaften und moderne Kunst

Konstanz unterhält verschiedene Städtepartnerschaften, auf die die Partnerschaftssäule von1997 hinweist. Auf der Infotafel vor der Säule sind alle Städtepartnerschaften aufgeführt und auf der Säule sind die Wappen zu sehen. Das Musiknotenband soll auf den Zusammenhalt von Musik und Freundschaft hindeuten. Dieses Kunstwerk wurde von Thomas Schreiner geschaffen.

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Das nächste Stück trägt den Titel Grat-Drehen-Stöcke-Senkrecht-Einfallen-Formationen-Senken. Äh ja, ich gestehe, mit so etwas tu ich mich recht schwer und bis diese Broschüre rauskam, hab ich mich immer gewundert, was das Stück sein soll. Der Künstler Peter Kamm schuf es 1996 für die Stadt Konstanz und ihr findet es wie die beiden vorherigen Objekte im Stadtgarten. Es ist der erste Beitrag zur Kunstmeile Konstanz-Kreuzlingen (der Schweizer Nachbarort zu Konstanz). Als Material wurde roter Eifelsandstein verwendet, die Oberfläche ist rau und an vielen Stellen wirkt sie wie aufgebrochen. Ursprünglich stand das ca. 4 Tonnen schwere Stück in der Hafenstraße und wurde ein Jahr später am heutigen Standort aufgestellt. Es blieb das einzige Stück der Kunstmeile Konstanz-Kreuzlingen, die nie realisiert wurde.

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Frauenbilder

Das „Fischweib“ von 1957 hingegen hat eine ziemlich wechselvolle Reise durch die Altstadt gemacht. Ursprünglich befand sich das Betonbild des Bildhauers Werner Gürtner an der Wand des alten Fernmeldeamtes und wurde beim Abriss des Gebäudes 1984 aufwendig aus der Fassade gelöst. Jahrelang war es eingelagert. Das Relief sollte nach der Umgestaltung des Fischmarktes (ein Platz in Konstanz, leider ohne Fischmarkt) wieder an einer Fassade platziert werden, doch es verblieb bis 1995 im städtischen Bauhof. Erst 2003 fand man in unmittelbarer Nähe zum Fischmarkt einen neuen Platz für das Fischweib: Es steht heute neben dem Alten Rathaus direkt am Bahnübergang beim Konzil. Dort wird es allerdings recht wenig von den Vorbeigehenden beachtet und häufig von Motorrädern verdeckt, die dort bei gutem Wetter parken. Immerhin grenzen zurzeit zwei Bänke das Fischweib ab, sodass es betrachtet werden kann.

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Man darf in Konstanz natürlich nicht von Kunst im öffentlichen Raum reden ohne die Imperia zu erwähnen. Majestätisch und imposant dreht sie sich an der Hafeneinfahrt von Konstanz. In ihren erhobenen Händen trägt sie jeweils eine kleine männliche Figur, eine trägt eine Krone, eine die Tiara der Päpste. Im Allgemeinen werden die beiden Figuren als König Sigismund und Papst Martin V. interpretiert, sodass alle drei Figuren Bezug aufs Konstanzer Konzil nehmen (was genau das Konstanzer Konzil war und wie wir das Jubiläum feiern könnt ihr hier nachlesen: Konzilstadt Konstanz. Die 9 Meter hohe und 18 Tonnen schwere Figur stellt eine Figur aus Honoré de Balzacs „Tolldreisten Geschichten“ dar, in der eine der während des Konzils tätigen „Hübschlerinnen“ (Dirnen) den Konzilsteilnehmern den Kopf verdreht. Die Statue Imperia steht hier seit 1993 und stammt von Peter Lenk, einem Künstler aus der Bodenseegegend, der auch schon einen Brunnen in Konstanz realisiert hatte. Das Projekt war ein großer Skandal, konnte aber nicht verhindert werden, da sich die Figur damals auf Privatgrund befand. Heute ist die Stadt Konstanz sehr froh sie zu haben, denn sie ist einer unserer größten Touristenmagnete.

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Das waren einige der Objekte mitten in der Altstadt, die man bei einem lockeren Spaziergang gut erreichen kann. Viele andere warten noch darauf entdeckt und angeguckt zu werden. Als nächstes werde ich mir meinen eigenen Stadtteil mal vornehmen und mir die Kunstwerke dort ansehen. Denn das ist das Schöne an dieser Broschüre, sie beschränkt sich nicht nur auf die Innenstadt, sondern bietet auch Informationen zu Objekten in den anderen Stadtteilen. So können Einheimische und Touristen die Stadt einmal mit anderen Augen betrachten und teilweise auch ein bisschen Detektiv spielen, denn manche Stücke finden sich nicht so leicht. Die Broschüre könnt ihr beim Kulturbüro Konstanz für 2,50 € erwerben. Außerdem gibt es auch eine Datenbank, die nochmal alle Kunstwerke verzeichnet, bestimmt kommen auch noch neue hinzu.
Wie sieht es bei euch aus? Geht ihr an solchen Objekten eher vorbei oder wüsstet ihr manchmal gern die Geschichte hinter dem Kunstwerk? Gibt es bei euch im Ort auch so eine Broschüre?

Hi, ich bin Ines!

Ich bin ein Seekind und arbeite als freiberufliche Kunsthistorikerin und Kulturvermittlerin am Bodensee, bin Zuckerbäckerin und Leseratte. Ich sammle Magnete, Karten mit lustigen/klugen/nachdenklichen Sprüchen, Kochbücher und Kaffeebecher, finde Clowns gruselig und Knöpfe eklig. Auf meinem Blog Grüsse vom See blogge ich über die Bereiche Bücher, Rezepte und Kunst, Kultur und das Leben.
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